Kultur-Konflikt-Kommunikation - Interkulturelle Herausforderungen im Krankenhaus

16. Februar 2019 08:30 12:30 Uhr
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Rückblick auf den 9. Saarländischer Hospiztag am 27.10.2018


Störfall: Sterben im Krankenhaus

Am Samstag, den 27.10.2018 fand der 9. Saarländische Hospiztag in Saarlouis-Steinrausch statt.
Die mit 75 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung setzte sich mit der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen im Krankenhaus auseinander. In seinem Vortrag machte der Gießener Prof. Dr. Wolfgang George macht darauf aufmerksam, dass nur 20 % der Sterbenden palliativ versorgt werden, obwohl das Deutsche Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) bereits seit dem Jahr 2015 einen grundsätzlichen Anspruch auf Palliativversorgung klarstellt.
Er betont, dass in den stationären Hospizen und auf den Palliativstationen die Sterbenden sehr gut versorgt sind. Weiter referiert Prof. George, dass der Deutsche Ethikrat bereits im Jahr 2016 in seiner Stellungnahme den steigenden ökonomischen Druck auf den Krankenhaussektor kritisierte.
Die Ökonomisierung hat zur Folge, dass das Patientenwohl als ethischer Maßstab in den Hintergrund tritt. Hier bestehe Reformbedarf.
In seinen eigenen Studien fand Prof. George u.a. heraus, dass Angehörige vor 30 Jahren in den Kliniken tatsächlich als Störfaktor wahrgenommen wurden. Dies sei heute überwunden, aber die gezielte Integration der Angehörigen in die Krankenhausversorgung finde auch heute noch nicht statt. So dass, neben der Aufgabe die Krankenversorgung in den Kliniken wieder mehr am Patientenwohl zu orientieren, auch die verbesserte Einbindung der Angehörigen ein wichtiger Reformschritt wäre. Von gezielten Verbesserungen würden alle Patienten und nicht nur die Sterbenden profitieren.
Auf dem anschließenden Podium diskutierten Vertreter des Krankenhausmanagement, der Seelsorge, der Pflege, der Medizin und Angehörige die aufgeworfenen Fragen.
Als Gegenpol zum Patientenwohl wurde die Krankenhausfinanzierung problematisiert, die dazu führt, dass der soziale Auftrag der Krankenhäuser zunehmend verschwindet.
Ein Beitrag aus dem Publikum macht den Irrsinn deutlich: So genehmigte beispielsweise der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) nicht, dass ein schwerstkranker sterbender Patient, dem erst ab Montag ein Platz im stationären Hospiz zur Verfügung stand, übers Wochenende auf der Palliativstation zu verbleiben.
Der MDK wünscht in solchen Fällen eine Verlegung in die Kurzzeitpflege. Wenn ein Krankenhausträger mit Blick auf das Patientenwohl diese Verlegung nicht durchführt, dann legt er drauf.
Fazit des 9. Saarländischen Hospiztages: Obwohl das HPG die Situation Sterbender in den Krankenhäusern stärkt, gibt es in vielen Bereichen wie z.B. in der Ausbildung der Ärzte und bei der Etablierung von Palliativdiensten in den Kliniken großen Handlungsbedarf. In Anlehnung an die Worte von Prof. Dr. George kann ergänzt werden, dass bezüglich der Angehörigeneinbindung und des Patientenwohls die Patientenversorgung in den Krankenhäusern von der Hospizarbeit lernen kann.